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Gotteskinder Akazien Verlag   
 
Lesezeichen [ Info # QR-Code # Publikationen ]Sa 18 Nov 2017 03:48:15


 Redewendungen
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Die Binsenweisheit

Von einer "Binsenweisheit" oder einer "Binsenwahrheit" ist die Rede, wenn es um bekannte Tatsachen geht, über die niemand streiten kann. Um Gemeinplätze, Phrasen mit einem langen Bart, Redensarten, Schlagworte, Selbstverständlichkeiten. Als "Binsenweisheit" bezeichnet jemand etwas, um zum Ausdruck zu bringen, dass eine Information keinen Wert aufweist, weil sie allen Anwesenden längst bekannt ist und schon zu den Ohren herausquillt.

Die Herkunft des Begriffs führt in mehrere Richtungen. Zunächst ist die Binsenweisheit eine Anspielung auf die enorme Verbreitung der Binse in Feuchtgebieten. Dann auf die knotenlose glatte Form ihres Stängels als Analogie für etwas ohne Verwicklungen und Verknotungen. Schon im Lateinischen finden wir "nodum in scirpo quaerere" (einen Knoten an der Binse suchen). Also Probleme suchen, wo keine sind. Dort wurde diese Redensart verwendet, wenn jemand versuchte, eine Banalität, eine Belanglosigkeit aufzubauschen, daran herumzudeuten, über die andere Menschen üblicherweise nicht einmal ein einziges Wort verlieren würden.

Eine weitere Fundstelle ist die griechische Mythologie. Danach musste König Midas einst einen musikalischen Wettstreit zwischen Apollon und Pan schlichten. Weil er Apollon nicht mochte, erklärte er kurzerhand Pan zum Sieger. Obwohl die Zuschauer die Entscheidung nicht teilten. Aus Rache ließ der gekränkte Verlierer dem König lange Eselsohren wachsen. Um diese Schande zu verdecken, trug König Midas eine Kopfbedeckung, die er jedoch beim Schneiden der Haare absetzen musste. Der Barbier musste schwören, absolutes Stillschweigen zu bewahren. Der konnte das aber nicht für sich behalten, grub in der Nähe eines Gewässers ein Loch und erzählte es Mutter Erde. Das hörten die neugierigen Binsen und trugen es fortan in alle Winde. Und bei manchem, was uns zu Ohren kommt, ist es kaum anders. Auch wenn es nicht in jedem dieser Fälle um die Eselsohren eines griechischen Königs gehen mag.

* Autor: Dr. Franz-Josef Hücker; -- Quelle: das Akazienblatt Nr. 04.2014, S. 11.


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