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Lesezeichen [ Info # QR-Code # Aphorismus ]Do 17 Okt 2019 20:27:01


 Redewendungen
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Sein Licht unter den Scheffel stellen

Der Scheffel oder Schaff, Schäffel, Simber, Sümber, Sümmer, Simmer ist ein heute nicht mehr gebräuchliches Raummaß, das zur Messung von Schüttgütern wie Getreide verwendet und darum wohl oft auch als Getreidemaß bezeichnet wurde. Die Größe eines Scheffels war sehr unterschiedlich und betrug zwischen 17,38 und 310,25 Liter. Außerdem steht der Begriff Scheffel für eine uneinheitliche alte landwirtschaftliche Flächeneinheit. Der in der Redensart benutzte Scheffel meint allerdings zweifellos den Scheffel zur Messung von Schüttgütern.

Wird eine Kerze auf einen Scheffel gestellt, erhellt das Licht den gesamten Raum, wird die Kerze darunter gestellt, kann sich das Licht nicht mehr verbreiten und bleibt gewissermaßen unsichtbar. Nicht anders ergeht es Menschen, die ihr Licht unter den Scheffel stellen und insofern nicht wahrgenommen werden können. Dabei handelt es sich zumeist um Menschen, die als bescheiden oder als eher introvertiert gelten. Um Menschen, die oftmals dazu neigen, ihre Fähigkeiten und damit eben immer auch sich selbst kleinzureden, wie man so sagt.

"Aber nein, so besonders gut war mein Vortrag nun auch wieder nicht", sagt der Referent, obwohl sein Vorgesetzter ihm demonstrativ auf die Schulter klopft und ihn ausdrücklich dazu auffordert, sein Licht doch bitte nicht dauernd unter den Scheffel zu stellen. - Jessica wurde nun bereits wiederholt bei der Auswahl für den Schulwettbewerb in Mathe übergangen. Dabei ist sie im Kopfrechen wesentlich besser als die anderen in ihrer Klasse! Gewählt wurden Maja und Thomas, die ständig damit angeben, wie gut sie in Mathe seien. Jessica mag das nicht und beschwert sich bei ihren Eltern. "Es ist keine Angeberei, wenn du dein Können zeigst", sagt ihre Mutter. "Und du solltest dein Licht nicht unter den Scheffel stellen!" - Er stellte sein Licht unter den Scheffel und wurde bei den Beförderungen regelmäßig übersehen.

Eine häufig zitierte Fundstelle für die Herkunft der Redensart ist das Evangelium nach Matthäus (MT 5,14-16 LUT): "(14) Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. (15) Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. (16) So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen."

Das Jesus von Nazareth und seiner Bergpredigt zugeschriebene Gleichnis vom "Licht unter dem Scheffel" findet sich auch im Evangelium nach Markus (MK 4,21-25 LUT) und Lukas (LK 8,16-18 LUT). Darin steht das Licht für den christlichen Glauben, der nicht vor anderen versteckt werden soll. Der ebenso wie der im Gleichnis erwähnte Leuchter nach außen strahlen soll. "Gebt also Acht, dass ihr richtig zuhört! Denn wer hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er zu haben meint." (LK 8,18 LUT) Lässt man sein Licht scheinen, bezeugt man den eigenen Glauben vor anderen Menschen und eröffnet diesen den Zugang zu christlichen Lehren. Empfohlen wird also, vermeide falsche Bescheidenheit und stehe nach außen erkennbar zu deinem eigenen Glaubensbekenntnis.

"Sein Licht unter den Scheffel stellen", scheint also nicht immer eine kluge Idee zu sein, und die Lebenserfahrung lehrt: "Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr!"

* Autor: Dr. Franz-Josef Hücker; -- Quelle: das Akazienblatt Nr. 10.2019, 13. Jg., S. 11.


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Der Inhalt dieser Seite wurde am 01.10.2019 um 12.37 Uhr aktualisiert.
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