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Lesezeichen [ Info # QR-Code # Publikationen ]Do 23 Nov 2017 10:06:10


 Redewendungen
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Auf einen grünen Zweig kommen

Manchmal ist es nur ein kleines, ach so unschuldig daherkommendes Zeichen. Ein scheinbar bedeutungsloser Buchstabe, der den Unterschied macht. Ein Zeichen, das, für sich betrachtet, nebensächlich scheint, allerdings für viele Menschen eine immense Bedeutung aufweist. Ein Zeichen, das die Menschen jeder Gesellschaft wie der Blitzschlag die Eiche erbarmungslos und ohne Ansehen der Person in arme Schlucker auf der einen Seite und in wohlhabende, in die wohl situierten auf der anderen Seite spaltet. Das erweist sich, sobald in die Redensart "Auf einen grünen Zweig kommen" an geeigneter Stelle das kleine k eingepflanzt wird - weil sich damit die Wendung geradezu mit einem Paukenschlag in ihr Gegenteil verkehrt. Denn nun wird neben den strahlenden Gewinnern auch die breite Masse der Verlierer sichtbar.

Von alters her steht der grüne Zweig für das Wachstum in der Natur und im übertragenen Sinne für eine erfolgreiche Lebensgestaltung. Die Redewendung "Auf einen grünen Zweig kommen" stammt aus einem alten deutschen Rechtsbrauch. In jener Zeit war es noch üblich, dass der Eigentümer von Grund und Boden dem Erwerber bei der Eigentumsübertragung ein Rasenstück überreichte, in dem ein grüner Zweig steckte. Und wer arm und besitzlos blieb, konnte nach dieser Auffassung somit naturgemäß "auf keinen grünen Zweig kommen". Das wusste schon der Theologe Johann Geiler von Kaysersberg (1445-1510), der bereits um 1500 über gewisse Leute sagte: "Sie mögen nimmer begrünen oder uff grienen Zweig kommen."

Heute gilt die ungeliebte Kehrseite der Redensart nahezu ausschließlich als ein sehr beliebtes pädagogisches Instrument. Um Schreckensbilder an die Wand zu werfen, die gefügig machen und die jungen Menschen auf den konservativen Weg verpflichten: "Ohne einen ordentlichen Schulabschluss wirst du später auf keinen grünen Zweig kommen", weiß der Pädagoge. Wie gut für ihn, dass er niemals in die Verlegenheit kommt, das Gegenteil beweisen zu müssen.

* Autor: Dr. Franz-Josef Hücker; -- Quelle: das Akazienblatt Nr. 36.2008, S. 11.


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